Das Weltmeister-Paar Katrin Matsushita und Christian Szüle hat am Kickertisch sein Glück gefunden. Und war am Anfang dabei völlig sprachlos.
„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“, sagt der Volksmund. Mit diesem Satz muss er Katrin Matsushita (37) und Christian Szüle (37) meinen. Als die beiden sich kennen lernten, vermochte kein falsches Wort die Magie des Moments zu zerstören. Denn die einzige Sprache, die sie gemeinsam hatten, war das Tischfußballspiel.
„Richtig wahrgenommen habe ich ihn zum ersten Mal bei der Weltmeisterschaft in Österreich 2004“, sagt Katrin. Seine braunen Augen unter den dunklen Locken waren ihr zwar schon lange zuvor aufgefallen, aber nur aus der Ferne. Christian spielte für ein Team aus der französischen Schweiz, Deutsch sprach er nicht. Und Katrin, die in Hessen lebt, kein Französisch.
„In Österreich waren während der WM alle ausländischen Spieler in einem Internat untergebracht“, erzählt Katrin. „Abends haben wir gefeiert. Irgendwann waren außer uns beiden alle schlafen gegangen.“ Dieser Augenblick gehörte nur Katrin und Christian. Und wer weiß? Vielleicht war es ja ganz gut so, dass sich keiner von beiden vor Aufregung verplappern konnte.
Seit jenem Moment ist viel passiert. Zwei Jahre lang pflegten beide über 600 Kilometer hinweg eine Fernbeziehung. 2006 verließ Christian seine Heimatstadt Genf und zog zu Katrin nach Wiesbaden. „Ich habe hier eine gute Stelle als Notarfachangestellte“, sagt Katrin. „Und Christian arbeitet jetzt als Gärtner bei Opel in Rüsselsheim.“
Vor allem aber frönen beide ihrer Leidenschaft, dem Kickerspiel. Katrin: „Meine Partnerschaften vorher haben nicht funktioniert. Wenn man auf professionellem Niveau kickern will, braucht man einen Partner, der das auch macht.“ Gemeinsam bereisen sie die großen Turniere, treten in Einzel- und Doppelwettbewerben an und sind als Mixed fast unschlagbar.
Das Kind ihrer Liebe heißt Tischfußball-Events. Für die gemeinsame Firma tritt das Weltmeisterpaar bei Veranstaltungen auf, gibt Trainingsstunden und richtet Turniere aus. Am Kickertisch haben Katrin und Christian ihr Glück gefunden. „Tischfußball“, sagt Katrin, „ist unser Leben.“
Ja, der Abschluss, immer wieder der Abschluss. Wären wir nicht alle gerne Stürmer? Aber nein, wir sind’s nicht, und auch die Abwehr ist schließlich eine ehrbare Kunst. Doch nichts ist so schön, so schön, so schön, wie wenn der Ball mit einem “Bäng” den Weg findet dorthin, wo er hingehört …
Du warst doch bestimmt auch schon mal in Dubai. Ich geh da gern shoppen, weil die Girls alle verschleiert sind. Da kann man sich voll und ganz auf den Einkauf konzentrieren. Wer weiß – sonst hätt ich womöglich das schönste, das brillanteste, das geschmackvollste Stück Metall übersehen, das je ein Auge zwischen Himmel und Erde hat erblicken dürfen.
Also: Es ist eigentlich ganz normal groß, so in etwa, wie jeder andere Kickertisch auch. Es hat vier Beine, zweimal vier Stangen mit jeweils ingesamt elf Männchen dran. Soweit also alles wie immer. Was den VIP-Kicker Premium Edition der im österreichischen Wels ansässigen Steininger Metallverarbeitung GmbH von gewöhnlichen Kickertischen wesentlich unterscheidet, sind die 18.000 Swarovski-Kristalle. Jawohl, 18.000. Weniger wäre in diesem Fall nicht mehr.
Seitdem ich dieses Teil gesehen habe, kann ich nachts nicht mehr richtig schlafen. Endlich weiß ich, worin sich meine Persönlichkeit adäquat spiegeln kann. Und deshalb, lieber Weihnachtsmann, musst Du mir diesen Tisch besorgen. Geld spielt keine Rolle, denn über Geld spricht man nicht – man hat es. Und Du, lieber Weihnachtsmann, sowieso. 100.000 Piepmätze für einen Kickertisch, der diesen Namen wirklich verdient, sind sinnvoll angelegtes Geld.
Ich denke, das siehst Du auch so. Warum sonst lässt Du Dich immer noch von Coca Cola sponsoren? Wir sehen uns also, Du und ich, am 24. Dezember am VIP-Kicker. Nicht in Dubai, nein, bei mir zuhause. In Düsseldorf.
Den süßen Geschmack des Erfolgs darf kosten, wer fleißig übt. Oder die richtigen Methoden kennt. Beides ist aller Ehren wert. Denn so oder so funktioniert nichts in der Welt des Tischfußballs ohne eine ordentliche Portion Leidenschaft, vulgo: Kickerliebe.
In knapp drei Wochen, genauer: vom 7. bis zum 10. Januar 2010, kommen die besten Tischfußballer der Welt zur WM im französischen Nantes.
In den Büroräumen der Französischen Tageszeitung PresseOcean fand jetzt die Auslosung der Vorrundengruppen statt. Die deutschen Herren treffen in den ersten Spielen auf Großbritannien, China und Indien. Die Damen, die als Titelverteidiger starten, bekommen es zum Auftakt mit Russland, Bulgarien und Portugal zu tun. Für die Hauptrunde qualifizieren sich jeweils die beiden Gruppen-Ersten. Die DTFB-Junioren messen sich in der Vorrunde in ihrer Sechsergruppen mit Tschechien, Indien, Slowakei, Italien und Österreich. Die ersten vier Teams kommen ins Viertelfinale. Die vollständigen Gruppen findet ihr auf der ITSF-Seite. Wer noch mit nach Frankreich will, sollte die DTFB-Homepage besuchen. Dort wird angeboten, im Doppeldecker-Bus mit zur WM zu fahren.
Klaus Gottesleben, DTFB-Präsident: “Die deutschen Damen und Herren sollten die Vorrunden problemlos überstehen. Dabei freue ich mich sehr, dass die Herren unsere indischen Freunde in der Gruppe haben, die gemeinsam mit uns im Bus nach Nantes reisen. Entscheidend für den weiteren Turnierverlauf wird sein, wie der so wichtige Teambildungsprozess funktioniert – besonders bei den Männern. Ich bin zuversichtlich, dass alle deutschen Teams einen Medaillenrang erzielen und dabei Tischfußball-Deutschland bestens vertreten.”
Jörg Harms, Nationalspieler aus Oldenburg: „Die Gruppe scheint recht einfach zu sein. Da sollte Deutschland den Gruppensieg schaffen – auch wenn England natürlich nicht zu unterschätzen ist. Gruppen-Erster zu werden, ist sehr wichtig, damit man die starken Amis erst im Finale trifft. Ich weiß natürlich, dass auch der Weg ins Finale nicht grad leicht ist.“
Lilly Andres, Nationalspielerin aus Berlin: “Ich denke, wir haben eine durchaus machbare Gruppe erwischt. Insgesamt kann man nur sagen, dass wir unseren Titel natürlich unbedingt verteidigen wollen. Wir Mädels sind uns alle einig, dass wir letztes Jahr den Sieg nicht nur einfahren konnten, weil wir spielerisch stark waren, sondern weil der Zusammenhalt und das Teamgefühl stimmte. Und auch wenn das Team dises Jahr leicht verändert ist, werden wir wieder gemeinsam feiern, leiden und vor allem kämpfen – ganz nach unserem Schlachtruf: “Wir sind ein TEAM!!!“”
Björn Brose, Nationalspieler aus Hamburg: “Gegner ist Gegner. Wir müssen alle weghauen, wenn wir am Ende feiern wollen. Wir müssen unsere mäßige Leistung vom letzten Jahr deutlich verbessern, also reichen nur Siege – egal, wer da kommt.”
Uli Stoepel, Nationalspieler aus Griesheim: “Das ist für unser Team durchaus machbar. Für mich ist die Gruppe nicht so erfreulich, weil wir nur Tornado-Spieler in der Gruppe haben. Tecball- und Roberto-Sport Tische wären mir lieber gewesen. Da können wir mehr Punkte auf dem Auswärts-Tisch holen. Für unser Team ist alles möglich. Besonders, da wir gestärkt durch unseren Sieg in Prag noch richtig heiß sind.”
Tom Przesdzink, Pressesprecher des DTFB: “Ich bin mit den Gegner mehr als zufrieden. Der Gruppensieg ist nur eine Pflichtübung. Auch England sollte nicht gefährlich werden, weil unsere Jungs am Tornado mindestens ebenbürtig sind. Im Anschluss stehen die Türen zum Halbfinale schon weit offen! Bei den Damen werden erste ernsthafte Prüfsteine frühestens im Viertelfinale auftachen.”
Volker Gröschel, Nationalmannschafts-Koordinator aus Großwallstadt: “Auf den ersten Blick scheint es eine glückliche Auslosung zu sein, bei genauerem Hinsehen trifft das aber nur auf die Gruppenspiele zu. In der Finalrunde allerdings kommen dann gleich die richtig schweren Brocken. Bei den Männern erwartet uns als Gruppensieger Frankreich im Viertelfinale, als Gruppenzweiter steht wahrscheinlich gleich im Achtelfinale Titelverteidiger USA auf dem Plan. Bei den Frauen kann schon im Halbfinale einer der zwei vermeintlich größten Rivalen in Sachen Titelverteidigung warten, die US-Girls oder Gastgeber Frankreich. Das wäre dann schon eine Art vorweg genommenes Finale.”
Katrin Matsushita, Nationalspielerin: “Bei den Herren wird es in der Vorrunde ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben mit England. China und Indien halte ich für eher leichtere Gegner. Es wäre wünschenswert, dass unsere Herren ebenfalls Gruppenerster werden, um nicht gleich auf die USA zu treffen. Bei den Mädels stehen die Chancen gut, dass wir uns als Gruppenerste qualifizieren. Im Viertelfinale schätze ich die Damen der USA als die stärkste Mannschaft ein. Gegen die wären wir 2009 fast gescheitert. Allerdings sind auch die Niederlande und Dänemark absolut nicht zu unterschätzen.”
Kickerkumpel Zeppo war mal wieder in der Welt unterwegs und hat uns Bilder aus der Atacama-Wüste geschickt. Hier schreibt er uns, mit welchen Spezial-Tricks man dort am Kickertisch arbeitet.
Zeppo schreibt: “Da, wo ich die Fotos gemacht habe, gibt es alle fünf Jahre mal Regen. Der Ort heisst San Pedro de Atacama und liegt im Norden von Chile, nahe der bolivianischen Grenze. Das kleine staubige Kaff ist das ganze Jahr von Touristen bevölkert, weil in der in Nähe einmalige Fels-Formationen aus Lavagestein und Salz zu sehen sind. Dazu gibt es Touren nach Bolivien, durch wahnsinnige Landschaften mit Vulkanen, Lagunen mit Flamingos und Gysieren bis hin zum Salar de Uyuni, dem grösstem ausgetrocknetem Salzsee der Welt.
Tischfußball heisst hier “taca taca”, weil das der Sound ist, der beim Spielen entsteht. Gute Spieler können mit den runden Füssen richtige Bogen schiessen. Hier in der Wüste haben sie einen ganz besonderen Trick: Wenn der Ball mal auf dem Feld liegen bleibt, beginnen beide Parteien wie bescheuert zu pusten. Wer schneller ist, bläst nicht nur den Ball zu sich, sondern auch den Staub, der hier überall liegt, ins Gesicht des Gegners. Der ist dann die nächsten 30 Sekunden damit beschäftigt, sich die feinen Körner aus den Augen zu wischen.”
“Frauen und Kickern, das passt nicht zusammen.” Dieses Vorurteil ist so alt, dass es schon riecht. Und so falsch, dass man seinem Urheber eine Unterlassungsklage an den Hals wünschen sollte. Um es zu widerlegen, braucht man keine Lilly Andres als Dauerzitatschleife. Man muss sich nur mal von der nächstbesten Bekannten unter den Tisch schicken lassen. Zum Beispiel von der süßen Marylu.
“Thomas, ich wette, dass Du kein elfköpfiges Team findest, das meinen Kandidaten Oktay Mann aus Ofterdingen in Baden-Würtemberg in einem Spiel an einem Riesen-Tischkicker besiegen wird.”
Mit dieser Wette wird Ramazzotti-Girl Michelle Hunziker am Samstag Tommy Gottschalk herausfordern. Ihr Kandidat ist Oktay Mann, Superschwabe und eine der schillernsten Figuren des deutschen Tischfußballs.
In Bremen befindet sich Oktay in prominenter Gesellschaft. Die entrückte Diva Mariah Carey, Soft-Rocker Michael Bublé und Strahlemann Hugh Grant werden ebenso zu Gast sein wie Schauspielerin Nora Tschirner und der unvermeidliche Til Schweiger (Manta). Vor Publikum aufzutreten, ist für Oktay, der gerne auch mal als Show-Spieler oder Moderator einspringt, nicht Neues. Und auch vor dem Megaevent gibt er sich ziemlich gelassen: “Nervös bin ich komischerweise nicht.”
Bei seiner Wette – hier eine Vorschau – wird der 36-Jährige an einem acht Meter langen Tischkicker allein eine ganze Mannschaft herausfordern. Wer gegen Oktay antreten möchte, kann sich beim ZDF um einen Platz im Gegnerteam bewerben. “Profis”, also Turnier- und Liga-Spieler, sind jedoch von der Teilnahme ausgeschlossen.
Das Spiel “Einer gegen Alle”, das übrigens als letzte Wette des Abends präsentiert wird, dürfte sich für den Schwaben wohl in erster Linie als eine große Rennerei gestalten. Deshalb trainiert Oktay derzeit vor allem Ausdauer und Schnellkraft. “Ich will Samstag gewinnen”, erklärt Oktay und hofft auch auf den Titel des Wettkönigs. “Wenn alle Tischfußballer mich unterstützen, könnte das vielleicht klappen”, sagt er.
Jeder Leidenschaft wohnt auch eine erotische Komponente inne, das ist beim Kickersport nicht anders. Und wer beim Reden nicht aufpasst, meint vielleicht Tischfußball, sagt aber ganz was anderes. Ist das schlimm? Ach, wieso denn?
Vom Sein, vom Werden und von Jeanshosen: Am Rande der Deutschen Meisterschaft 2009 sprach Kickerliebe mit Uli Stoepel, dem Vorsitzenden der veranstaltenden Spielervereinigung P4P.
“Ich glaub, ich werd’ langsam alt.” Thierry Müller biegt den Rücken durch und ächzt. “Mir tut jetzt schon alles weh, dabei hat’s gerade erst angefangen. Vielleicht sollte ich öfter mal Rad fahren.” Es ist der zweite von drei Tagen der Deutschen Tischfußballmeisterschaft 2009, die die Spielervereinigung Player 4 Player im schwäbischen Gäufelden-Nebringen ausrichtet. Und Thierry gehört trotz seines maladen Mittdreißiger-Körpers bei sämtlichen der insgesamt 14 Wettbewerbe, an denen er teilnimmt, zum engeren Kreis der Favoriten. “Das ist ja das Gute am Kickern”, sagt er und lächelt verschlagen. “Das geht auch ohne Fahrradfahren.”
Auch Uli Stoepel sieht nicht aus wie einer, der zum Frühstück rohe Eier verputzt. Muss er auch nicht. Der Vorsitzende der ausrichtenden Spielervereinigung P4P ist ein wahrhaft alter Hase bei der Ausrichtung von Turnieren. Dafür braucht man keine Muckies, sondern einen ruhigen Pulsschlag. Knapp 600 Teilnehmer bringen ihn nicht ins Schwitzen, im Gegenteil: “Es muss jedes Jahr ein bisschen größer werden”, sagt er und zeigt mit Daumen und Zeigefinger einen Zentimeter. Auch wenn Lehmacher, der Ausrüster, mault, weil er noch mehr Tische herankarren muss. 66 sind es diesmal, einer mehr als 2008. Der Fortschritt muss nicht immer in Siebenmeilenstiefeln kommen.
Stoepel ist auch so sehr zufrieden mit der Entwicklung des Tischfußballsports in den vergangenen Jahren: “Tischfußball boomt. Wir haben immer mehr Turniere in einer Größenordnung von mehr als 300 Teilnehmern. Das gab es so vorher nicht.”
Kickerliebe: Was ist der Anteil von P4P an dieser Entwicklung?
Uli Stoepel: Wir haben die beste internationale Spieler-Rangliste, die es gibt. Und wir organisieren die größte Turnierserie Europas mit insgesamt 150.000 Euro Preisgeld im Jahr 2008. Da fahren wir eine andere Politik als der DTFB, der seinen Spielbetrieb hauptsächlich in Ligen organisiert, inzwischen aber hier und da größere Turniere veranstaltet. Aber wir kommen uns da nicht in die Quere. Im Gegenteil: Wir versuchen auch, gemeinsam Turniere zu organisieren. Insgesamt ist Deutschland für Tischfußballer ein Schlaraffenland.
Du bist doch selbst im DTFB engagiert.
Stoepel: Das stimmt. Ich bin da mit zwei Herzen dabei, seit 1980 beim DTFB und von Beginn an bei P4P.
Führen möglicherweise also auch zwei Wege ans Ziel – nämlich zur Anerkennung von Tischfußball als gleichberechtigte Sportart?
Stoepel: Das wollen wir jedenfalls alle. Wir unterstützen den DTFB bei seiner juristischen Auseinandersetzung, als gemeinnützig eingestuft zu werden – auch finanziell haben wir eine Beteiligung an den Kosten angeboten. Darüber hinaus muss sich aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung was tun. Dazu braucht es eine aktivere Pressearbeit und eine stärkere Fernsehpräsenz. Aber das kostet Geld, und dafür wiederum benötigen wir größere Sponsoren. Daran arbeiten wir.
Woran hängt es denn noch?
Stoepel: Es ist vielleicht manchmal auch eine Frage der Einstellung. Bei DTFB-Veranstaltungen ist Sportkleidung Pflicht. Wenn ich mich hier bei der DM so umschaue, dann spielen locker 70 Prozent der Teilnehmer in Jeans. Dagegen ist an sich nichts zu sagen, aber so wird man dann eben auch nicht unbedingt als Sport wahrgenommen.
Das Interview führte Sebastian Züger.